Die Menschen kümmern sich nicht
um das was wir wissen,
bevor sie wissen,
dass wir uns um sie kümmern.


unbekannt

Liebe Freunde,
2017.12017.2das hatten wir bisher bei unseren Fahrten nach Rumänien, obwohl die meistens schon im März waren, noch nicht erlebt. An Ostern, 17.04.2017, hatte es im Bergischen Land über Nacht geschneit. Als wir von der Autobahn abfuhren, um unsere beiden Mitfahrer aus Marienheide abzuholen, blieben wir gleich, wie auch andere Autofahrer, auf der Landstraße im Schnee stecken. Nach vielen Versuchen des Hin- und Herrutschens und einem Stoßgebet zum Himmel, konnten wir dann nach einer Stunde weiter fahren. Auch in Sibiu blieben wir vom Schnee auch nicht verschont.

 

 

Inzwischen ist fast jeder freie Platz auf dem Grundstück genutzt für Obst- und Gemüseanbau.

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Ich habe schon des öfteren über unser Problemmädchen Bomby berichtet. Letztes Jahr hatten wir ihr wieder eine kleine Wohnung beschafft. Seitdem arbeitet sie in einer Fabrik zur vollen Zufriedenheit ihres Arbeitgebers. An den Wochenenden hilft sie fleißig im "Haus der Hoffnung" in der Küche mit bei "freier Kost".

Ob sich in den nächsten Jahren die Diskrepanz zwischen Stadt- und Landbevölkerung ändern wird ist sehr unwahrscheinlich.

2017.62017.8Vieles liegt immer noch in diesem Land im Argen. Warum verlassen gut ausgebildete Menschen immer noch das Land? Wenn ein Arzt und Lehrer mit Studium auch nur ca. 400 Euro wie ein guter Handwerker erhält, wundert es nicht, dass über 20.000 Ärzte in Rumänien fehlen, die in Dtschld., Schweden oder der Schweiz ein Vielfaches verdienen.

Ein weiteres großes Problem ist immer noch die Korruption. Sie ist in Rumänien allgegenwärtig und schwer zu bekämpfen, weil auch Spitzenpolitiker Teil des kriminellen Systems sind.

 

 

 

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Wie es schon zur guten Gewohnheit gehört, haben wir Familien besucht, um ihnen einige notwendige Dinge zu übergeben. Es fällt mir immer noch nach über 25 Jahren schwer, mit solchen teilweise menschenunwürdigen Situationen fertig zu werden.

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Dankbar sind wir, dass wir endlich nach 2 Jahren des Suchens, einen guten Hausmeister gefunden ha-ben. Zur Zeit ist Alexandru noch zur Reha, nach einem Leistenbruch. Er ist der Bruder eines unserer betreuten Mädchen. Auch arbeitet ein junger Mann im Haus, der dann sozusagen die rechte Hand von Alexandru sein wird. Dieser junge Mann, er heißt auch Alexandru T. wurde von Mimi aus dem Waisenhaus geholt. Er hat keine Eltern und auch keine Personalpapiere. Diese lebensnotwendigen Papiere hat dann Mimi mit vielen Mühen besorgt.

Vor einiger Zeit besuchte ich eine junge Frau, Mutter von 2 kleinen Kindern. Es ist immer wieder für mich traurig, zu sehen, wie junge Menschen in solchen Fällen, und es ist keine Ausnahme, ihrer Kindheit und Jugend sozusagen beraubt werden. Erstaunt waren wir, dass jetzt Alexandru T. und Kasandra heiraten. Ein 3. Kind ist unterwegs. Das diese Ehe Bestand haben wird, kann nur mit moralischer wie praktischer Hilfe von Mimi geschehen. Da die Eltern von Kasandra ein kleines Häuschen in Rosia haben, ist es möglich auf dem Grundstück anzubauen. Wir wollen den jungen Leuten helfen, eigene vier Wände zu haben.

    v.lks. Brautmutter,Alex.,Brautvater,Kinder Stefan u. Bani,Kasandra
Mit den Trauzeugen Sandra (lks.) und Dr.Alina (Ärztin im Haus Hoffnung)    
 

 Eine wertvolle Spende aus Stuttgart von elektr. bedienbaren Pflegebetten incl. neuer Matratzen.

Einige Impressionen von der dieser Fahrt:

Die wenigen Sonnenstrahlen genießen Bahnhof Selimbar Im Skigebiet Pältinis (Hohe Rinne), ca.1600 m hoch

Es sind diesmal viel Bilder, die oft mehr Aussagen als viele Worte. Trotz allen Widrigkeiten und
Problemen im Land, bin ich immer wieder begeistert über das Land mit seiner noch großen unberührten Naturlandschaften und seinen umgänglichen Bewohnern.

Uns allen wünsche ich eine hoffentlich gute Sommerzeit mit viel Sonnenschein und Wärme.

Mit herzlichen Dankesgrüßen,
Euer Ehrhart Weider

Es folgt ein Bericht von Stefan, er war das erste Mal dabei, mit seinen Eindrücken

Eine Reise auf rumänisch
17.04.2017 – 24.04.2017
Ein Bericht von Stefan Höne
Neugierde ist ein Antreiber in meinem Leben, der mich immer wieder in Situationen bringt, in denen ich mich frage: Willst Du das wirklich?
So packte mich auch die Anfrage von Johannes, mich an einem Hilfsprojekt für Rumänien zu beteiligen, genau an diesen Punkt, der Neugierde. Ich sollte ihn, Ehrhart und wie ich später erfuhr, Erharts Frau Edith bei einem Trans-port von Hilfsgütern unterstützen und diese vor Ort auch teilweise verteilen.
1986 war mein bisher erster und einziger Besuch in Rumänien. Ich hatte am Schwarzen Meer günstig Urlaub ma-chen wollen. Was ich damals dort erlebte an Kriminalität und Umweltverschmutzung, ließ mich, selbst als junger Erwachsener, aufschrecken.
Touristen aus Osteuropa wurden zu Menschen zweiter Wahl, wir aus Westdeutschland aber dauernd auf Westmark und Westprodukte angesprochen. Sahst Du Einheimische mit Westkleidung, fragtest Du dich, nach einigen Erfahrungen mit Einbrüchen und Diebstählen im Hotel, ob sie gerade Deine Kleidung trugen.
Die Mahlzeiten im Hotel waren nur mit entsprechender Nachbehandlung mit hochprozentigem Alkohol genießbar und verblieben dann auch erstmal im Magen.
Kurz: Das totalitäre System mit seinen Menschen rund um den rumänischen Diktator Ceausescu war mir in keiner guten Erinnerung geblieben.
Konsequenz dieser Erinnerung: Ich sagte Ja, ich reise mit nach Rumänien.
Am Ostermontag, war geplant, nach einem guten Frühstück bei der Familie Koslowski, mit allen Beteiligten zu starten. Da gemeinsames Essen der kleinste gemeinsame Nenner einer Gemeinschaft ist, war ich gespannt auf meine Mitfahrer. Ich hatte im Vorfeld schon einige Informationen bekommen, und es schien mir doch durchaus möglich, eine gute Zeit miteinander zu verbringen.
Soweit, so gut.
Ostermontag, unser Starttag war weiß wie der Winter. Es hatte über Nacht im Bergischen Land geschneit, und Ehrhart und Edith waren mit ihrem VW Bus mit Doppelachshänger gerade bis hinter die Abfahrt Meinerzhagen gekommen und kamen bei dem Schneefall nicht weiter. Schon eine kleine Herausforderung, dachte ich mir und bewunderte insgeheim die beiden Oldies, beide in der Mitte der siebziger Jahre. Sie waren bereits am frühen Morgen gegen drei Uhr in Hamburg gestartet, und durch die Aufregung hatten sie die letzte Nacht auch nicht geschlafen. Das konnten sie ja jetzt nachholen, so dachte ich mir.
Johannes brachte unser Schiff wieder in fahrbares Wasser, so dass wir zeitig losfuhren. Bei der nächsten Raststätte wurde erst mal Pause eingelegt, damit wir uns etwas kennenlernen und frühstücken konnten.
Mit Musik auf den Ohren ging es bald am Steuer durch die Nacht auf Ungarns Straßen. Die Bodenplatte des VW Busses brachte mir auch einigen Schlaf zwischendurch, und so waren wir nach ungezählten Pausen, 1750 Kilome-ter, mit Tempo max. 90 Kilometer pro Stunde, Strafzettel waren ja selbst zu tragen, nach 27 Stunden beim „Haus der Hoffnung“ bei Selimbar in Sibiu.
Angekommen in Selimbar, bekamen Johannes und ich ein Gästezimmer, wofür die Küchenfee ihren Schlafraum frei machen durfte, und die Leitung unseres Tracks und Hilfsprojektes bekam ein kleines Appartment im Obergeschoß über den Eingangsbereich. So war auch hier alles im Blick.
Das „Haus der Hoffnung“ war ursprünglich als Wohnheim für Mädchen gedacht, wurde mit der Zeit zum Senioren-heim. Es ist wirklich sehr gut und gemütlich für die alten Menschen hergerichtet. Die Investitionen, die in der letzten Zeit getätigt wurden, um den Ansprüchen nach Sicherheit und Komfort gerecht zu werden, waren enorm. Ein Aufzug, Brandschutzmaßnahmen, neue Innentüren und einiges mehr wurden angeschafft und installiert. Eine Hilfsorganisation aus Süddeutschland brachte, während unseres Aufenthaltes, sehr gute elektrisch verstellbare Krankenbetten und Kleidung, und ich konnte beim Abladen und Verteilen helfen.
Tief beindruckt hat mich, dass die Leitung des Hauses zu der Betreuung von Senioren und der Bereitstellung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen auch soziale Projekte unterstützt und federführend leitet.
Eine Frau und gleichzeitig Großmutter, um die vierzig, wurde eingestellt, damit sie durch ihr Gehalt ihre Tochter und beide Enkelkinder versorgen kann. Ihren Enkelkindern wurde bereits eine Abschiebung in ein Kinderheim angedroht, sodass durch diese Unterstützung verhindert werden konnte, dass zwei Kinder in rumänische Heime gebracht worden. Für alle Seiten ein Gewinn.
Ein junger Mann, Vollwaise, um die zwanzig Jahre, arbeitet ebenfalls bei dem „Haus der Hoffnung“. Ich sah ihn, wie geschickt er sich um die Obstbäume kümmerte. Er hatte dort vielleicht erstmals ein soziales Netz gefunden, was ihn aufnahm.
Das „Haus der Hoffnung“ brachte für diese fünf Menschen mehr als nur Sicherheit. Der junge Mann lernte die Tochter kennen, deren Mutter ja dort arbeitet, und wie das Leben so spielt, sie verliebten sich.
Wir waren Gäste bei ihrer Hochzeit und gleichwohl alles sehr einfach war, waren die beiden Brautleute und deren Familie mehr als nur berührt von der Großzügigkeit dieses Hauses. Sie durften erleben, wie Menschen ihnen halfen, eine Hochzeit zu organisieren und für eine kleine Feier und Essen sorgten.
Wir besuchten während dieser Woche noch einige Familien in ihren Wohnhäusern. Unangemeldet kamen wir mit einigen Nachbarn oder Kirchengemeindemitgliedern bei ihnen vorbei.
Wir brachten Kleidung, ein Gebet und ein Lied, das von Hoffnung und Gottes Nähe sprach. Was ich sah in diesen Häusern, waren teilweise verstörte Menschen.
Kinder, die nicht wussten, wie Schokolade aus Folien zu packen ist, Jugendliche, die auf den Boden schauten und das Geschehen irgendwie mehr oder weniger teilnahmslos über sich ergehen ließen. Großmütter, die mit uns ge-meinsam beteten.

Ich bin mir sicher, dass die Menschen bemerken, dass es andere Menschen gibt, die Ihnen helfen. Mimi und Cornel, die Rumänische Leitung des Hauses, stehen dafür. Ich persönlich weiß nicht, wie diese Menschen aus dieser Situation herauszuführen sind, oder ob das überhaupt möglich ist. Ich hoffe, sie spüren unsere gute Absicht.
Zu dieser Situation fällt mir ein Spruch von meiner Tante Irmgard ein:
„Lieber ein kleines Licht als gar kein Licht“.
Ein ganz großes Licht sah ich da bei einer alten Dame, die in einen der vielen Vororte von Sibiu in einem Hochhaus wohnt. Schon die Fassaden der Plattenbauten erinnern an die sechziger und siebziger Jahre. Die Treppenhäuser sind sauber und die Türen glänzen wie mit einen Schifflack lackiert. Als uns die Wohnungstür von dieser Dame geöffnet wird, begrüßt uns eine Frau auf Deutsch, die beste Freundin unserer Gastgeberin. Kaffeegeruch, Kuchen und Gebäck erwarten uns, und mir ist beim Verzehr ein wenig befremdlich, dass unsere Gastgeberin nicht mit am Tisch sitzt, sondern auf dem Sofa und von dort am Gespräch teilnimmt.
Die Inneneinrichtung dieser Wohnung erinnert an das Furnier meiner Großeltern, und ich fühle mich fast heimisch. Einscheibenverglasung bei den Fenstern ist ein Anblick, der mir lange nicht mehr vorgekommen ist. Wir überreichen unsere Mitbringsel und erfahren von dem Garten mit der einfachen Hütte in den Bergen, die Obst, Gemüse und jede Menge Walnüsse produzieren. Dort kommen diese beiden alten Damen nur mit dem Pferdefuhrwerk und zu Fuß hin.
Unsere Gastgeberin war bestimmt über siebzig und strahlte eine solche Wärme und Liebe aus. Wir sangen ihr unser Lied und verabschiedeten uns. Ich war froh, dass die armen Menschen in Rumänien doch noch Hoffnung haben.
Zum Schluss noch eine kurze Episode von meinem letzten Tag.
Die Karpaten sind nicht weit von Sibiu und ich freute mich, dass ich trotz starken Schneefalls dort noch eine mehr-stündige Wanderung erleben durfte. Nach einigen Recherchen und Unterstützung von Einheimischen machte ich mich auf den Weg und genoss die Bergluft, die Wälder, Dörfer und weiten Blicke.
Ich durchstreifte kleine Bergdörfer und ihre Kirchen, die den Innenraum mit Holzöfen wärmten. Ich sprach und lachte mit Hirten, dessen Hirtenhunde arge Bedenken vor mir hatten und wegliefen. Ein Autofahrer winkte mich auf einem Nebenweg heran und nahm mich ungefragt mit bis an die nächste Weggabelung.
Ein Bahnhofsangesteller und Schrankenwärter in Selimbar unterhielt sich mit mir in altem, gebrochenen Deutsch und sprach von der Korruption, unter der in diesem Land viele Einwohner leiden. Es ist genug da für alle, nicht nur für wenige Nimmersatte.
Er fuhr mit seinem Moped 20 Minuten zu seiner Arbeit und verbrachte dort in 12 Stundenschichten mit 2 weiteren Kollegen im Wechsel seine Zeit. Er wohnte in einem Einraumhaus mit seiner Frau zusammen. Die Kinder konnten studieren und er war sichtlich stolz auf sie. Sein Laster, das Rauchen störte ihn arg, er war heute noch nicht in der Lage, einfach aufzuhören. So sagte er mir.
Es waren schöne und offene Begegnungen in dieser Woche mit den Menschen in Rumänien. So konnte ich meine alte Schublade der Vorurteile nochmals öffnen und ausräumen.
Mein persönliches Fazit dieser Reise: Es ist gut und richtig, dass wir bei diesen Menschen präsent sind, für die Rumänen und auch für uns. Das „Haus der Hoffnung“ ist wie eine Insel der Rettung für den benachteiligten und vergessenen Menschen in diesen Land.
Das dieses Projekt Wirklichkeit werden konnte, ist schon ein Wunder. Das aber ist eine andere Geschichte.
Einen Gruß aus dem Bergischen Land
Stefan Höne

 

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