im Dezember 2017

   Liebe Rumänienfreunde,

 

im Moment sieht es leider in unserer Regierung nicht viel nach Liebe, Verständnis und Miteinander aus. Eher nach Diskriminierung, Rechthaberei, Machtgerangel und Egoismus. Schade, von Advent und Weihnacht mit der Freuden- und Friedensbotschaft ist nicht viel zu spüren bei den Verantwortlichen. Versuchen wir zumindest im Persönlichen, in dieser Zeit einmal bewusst ein freundliches Wort weiter zu geben, eine hilfreiche Hand auszustrecken. Es ist nicht viel und kann doch manches Eis brechen.

Wir freuen uns und sind immer wieder dankbar, dass uns die anvertrauten Mädchen, (besser ist wohl jungen Damen zu sagen) mit ihrem Lerneifer und daraus resultierenden sehr guten Zeugniszensuren. Unsere Freundin Beverely gibt ihnen jetzt jede Woche Englischunterricht.

Im diesjährigen Ferienlager inunserem Freizeitzentrum waren unter anderem auch 42 Kinder aus Copsa Mica (siehe Bilder unten). In Copsa Mica

wurden zur Zeit des Diktators Ceaucascu in einer großen Fabrikanlage vorwiegend Autoreifen verbrannt zur Stromerzeugung. Ich konnte mich damals in den 90ziger Jahren persönlich davon überzeugen, dass in diesem Ort es buchstäblich keinen weißen Fleck gab. Wirklich alles, ob Baum oder Strauch, Haus oder die spielenden Kinder waren von schwarzem Ruß bedeckt.
Wer mehr über die Stadt Copsa Mica erfahren möchte, siehe unter:
http://reporterreisen.com/zehn-tage-siebenbuergen/reportagen/die-vergiftete-stadt/index.html

 

 

 

Eine andere Gruppe kam aus Medias mit 40 Personen und aus einem Kinderheim aus Ocna Mures mit 38 Kindern. Der größte Teil von ihnen kam aus nichtchristlichen Familien.
Durchweg war es für alle Beteiligten eine gute und hoffentlich nachhaltige Erfahrung.

Industrieruinen in der Stadt Copsa Mica - als die Fabriken noch in Betrieb waren, war stets alles von einer zentimeterdicken, schwarzen Staubschicht bedeckt.

 

Ab 1. November haben wir einen jungen Mann aus Valcea als Hausmeister eingestellt. Er heißt Baragan Nicolae Adrian und ist 27 Jahre alt. Er kommt aus christlichem Elternhaus und hat noch 3 Brüder.

 

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, sowie einen guten Start in das neue Jahr wünscht Euch

Ehrhart Weider

 

 

 

 

Mit ein bisschen Glück bleibt man an Weihnachten nicht allein

Anna lief durch die kleine Gasse, die zum Markt führte. Vom Himmel fielen tanzend große glitzernde Schneeflocken. Sie hatte wieder einmal als Letzte das Büro verlassen. Es war der 24. Dezember und niemand wartete auf sie. Ihre Eltern lebten schon lange nicht mehr und ihre Schwester war, frisch verliebt, mit ihrem Freund in die Weihnachtsferien geflogen. Anna überlegte, ob sie sich noch einen kleinen Tannenbaum kaufen sollte. Es war schon nach 12 Uhr. Wenn sie den Baum schmückte, würde der Nachmitttag schnell vergehen, überlegte sie.' Ja und etwas zu Essen musste sie auch noch einkaufen. Sie hatte Appetit auf einen Gänsebraten.

Plötzlich fiel ihr ein kleiner Junge vor die Füße. „Hallo junger Mann, so stürmisch?" Sie kniete sich zu ihm herunter. Er rieb sich mit seinen kleinen Fäusten die Augen. „Hast du dich so doll gestoßen?", fragte Anna erschrocken. „Nein, das ist es nicht", schluchzte der Kleine. „Aber warum weinst du dann?", fragte Anna besorgt. „Es ist das erste Mal Weihnachten ohne meine Mami. Ich bin so traurig und ich will es meinem Papi nicht zeigen, seit langer Zeit ist er das erste Mal gut gelaunt." „Jakob ... wo bist du?", hörten die beiden eine Stimme rufen. Jakob sprang hoch. „ Bitte halte meinen Papi auf, ich weine auch gleich nicht mehr! Er soll mich nicht so sehen." Schon war Jakob hinter einem Holzhäuschen verschwunden. Anna erhob sich und sah einen großen dunkelhaarigen Mann hinter einer Tanne hervorkommen. Suchend blickte er um sich. „Haben sie einen kleinen Jungen gesehen?" Die tiefe Stimme war sympathisch. Anna war leicht überfordert. „Einen Jungen? ... Nein!", stotterte sie. „Wo ist er nur hingerannt?

Der Mann ließ die Schultern hängen, und seine Augen wurden traurig. „Meine Frau ist' letztes Jahr im Januar bei einem Autounfall gestorben. Es ist das erste Weihnachtsfest für die Kinder ohne Mutter. Es ist schwer für mich, das Fest ohne sie zu gestalten. Meine Tochter Meike liegt zu Hause mit Fieber im Bett. Hier in der Tasche habe ich eine Gans, es hat immer Gänsebraten Heiligabend gegeben, aber ich habe keine Ahnung, wie er zubereitet wird. Ich habe immer mit den Kindern den Baum geschmückt, und meine Frau hat in der Zeit den Gänsebraten zubereitet. Entschuldigen Sie, ich weiß gar nicht, warum ich Ihnen das alles erzähle, mein Name ist Max von Berlau." Anna überlegte einen Augenblick, dann hörte sie sich sagen:

„Anna Klinger, ich mache den weitbesten Gänsebraten. Was halten sie davon, wenn ich mit zu ihnen fahre, sie schmücken mit den Kindern den Tannenbaum, und ich kümmere mich um das Festessen."
„Anna, das würdest du für uns tun?" Der kleine Junge, der hinter dem kleinen Holzhäuschen alles mit angehört hatte, kam um die Ecke gerannt. „Ja, ich habe noch nichts zum Essen eingekauft und einen Tannenbaum habe ich auch noch nicht", erwiderte Anna. Max strahlte und zog einen Tannenbaum hervor. „Oh Papi, der Tannenbaum sieht wunderschön aus!", jubelte Jakob. Max und Anna sahen sich lachend an, und gemeinsam stiegen sie mit Jakob in das Auto und fuhren davon.

Ja ... so kann das Leben spielen, mitunter muss man ungewöhnliche Dinge tun, um glüclich zu sein.

Unbekannt

 

 

 

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