Liebe Freunde,

Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich. J.W.v.Goethe
ein sinnvoller Spruch, den der große Dichter Goethe formulierte, doch so leicht und einfach ist das Zusammenleben leider nun mal nicht. Man versucht mit allen Möglichkeiten zu helfen, investiert Zeit, Kraft und viel Zuwendung - oft über Jahre hinweg - und dann … alles umsonst? Schweren Herzens mussten wir mit ansehen, wie ein Teil der Mädchen, die ja schon 5 bis 7 Jahre betreut wurden, spontan das Haus verließen, den Arbeitsplatz aufgaben und ihr erspartes Geld teilweise mit Männern verjubelt und nichts mehr von uns wissen wollten. Doch umsonst? Ich meine, dies sollte nicht unsere Frage sein. Ich denke schon, dass das, was sie bei uns gelernt und erfahren haben, im Moment verschüttet ist, aber irgendwann werden sie zur Besinnung kommen und doch noch einen guten Weg finden. Auch das haben wir ja schon in der Vergangenheit erleben dürfen.
Ana wird wohl noch längere Zeit bei uns bleiben. Sie hat Hepatitis in der schwersten Form. Sie benötigt sehr teure und seltene Medikamente, die vom Gesundheitsministerium genehmigt werden müssen. Und dann wieder der Kampf mit den Behörden, damit Ana sie auch kostenlos erhalten kann.
Ana V. Alina Estella Anka

In einem der letzten Rundbriefe hatte ich von Alina berichtet, die ja in ihrer Heimat die Kühe gehütet hat und jetzt hier das christl. Lyzeum (bei uns Gymnasium) besucht und inzwischen Klassenbeste ist. Wir waren ja schon lange am Überlegen, ob nicht dieser Weg effektiver und sinnvoller ist, Mädchen zu helfen, die aufgrund ihrer Wohn- und Familiensituation Keine Chance Auf Ausbildung und einen Arbeitsplatz haben. Inzwischen leben auch Estella und Anka seit kurzem bei uns. Je nach unserer finanziellen Lage werden wir demnächst weitere Mädchen aufnehmen.

Estella U.kommt aus dem kleinen Dorf Poina. Eltern verschwunden und wurde von ihrem psychisch kranken Opa betreut. Er konnte mit seiner kleinen Rente nicht mehr für sich beide sorgen und bat um Hilfe. Besucht jetzt das christliche Lyzeum. Anka kommt ebenfalls aus Poina. Ihre eltern sehr krank und können sich nicht mehr um A. kümmern. Vermittelt durch einen Missionar. Mit Dorfschulabschluss keine Chance. Wird hier auch aufs Lyzeum gehen. Mit so einem Abschluss gute Berufsaussichten.

Seit 2008 haben wir ja eine Hälfte unseres Hauses der Baufirma M. Bögl vermietet, die die Umge-hungsautobahn Sibiu baut, die seit kurzem befahren werden kann. Somit endet leider zum Juni der Mietvertrag. Dankbar sind wir, dass in der Zeit die Firma die kompletten Hauskosten übernommen hat. Wie versprochen, wurde alles (besser und mehr als erwartet) komplett saniert und sogar teilweise die Bäder total erneuert. Leider wird auch zukünftig nicht die Möglichkeit bestehen, diese frei gewordenen Räumlichkeiten für die Betreuung von bedürftigen Mädchen zu nutzen.
In Rumänien kennt man keine Seniorenwohneinrichtungen. Einige wenige wurden durch die Deutsche Evangelische Kirche Rumänien eingerichtet und betreut. So sahen wir anfangs des Jahres eine gute Möglichkeit, das Haus sinnvoll ohne zusätzliche Kosten auszulasten. Eine spontane Umfrage in ver-schiedenen Kreisen ergab ein großes Interesse, sogar schon Anmeldungen für eine solche Seniorenein-richtung. Nach intensiven Für- und Wider-Überlegungen und Aufstellung eines Kostenplanes, glauben wir so eine Einrichtung kostenneutral führen zu können. So wurden in Absprache mit den zuständigen Behörden die Räume entsprechend eingerichtet, so dass in absehbarer Zeit die ersten Bewohner einziehen können. Die Erstellung der dazugehörigen Infrastruktur, wie Betreuungspersonal, ärztliche Versorgung, Freizeitangebote, erfordern noch viel Planung und Organisation der Mitarbeiter vor Ort.

Großzügig könnte man jetzt unser Haus als eine (zukunftsweisende) Mehrgenerationeneinrichtung bezeichnen. Dabei hoffen und wünschen wir uns, dass es zu einer fruchtbaren Zusammenleben zwi-schen Jung und Alt kommt. Denn jeder hat etwas zu geben und kann nehmen, sich gegenseitig unter-stützen und ergänzen. Ja, eine spannende Zeit liegt vor uns, doch im glauben und Vertrauen auf unse-ren Himmlischen Vater dürfen wir getrost nach vorne sehen.
Mit Wünschen von P. Rosegger grüße ich Euch alle und wünsche auch mir, manches davon zu beherzigen.

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bisschen mehr liebe und weniger Hass.
Ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was.

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh.
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du.
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut.
Und Kraft zum Handeln - das wäre gut.

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht.
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht.
Und viel mehr Blumen, solange es geht.
Nicht erst an Gräbern - da blühen sie zu spät

Ziel sei der Friede des Herzens.
Besseres weiß ich nicht

Herzlichst Euer,   Ehrhart

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