im Dezember 2011

Liebe Freunde,

und wieder liegt ein Jahr mit seinen Höhen und Tiefen hinter uns. Manche einschneidenden Maßnahmen die wir mit großem Herzklopfen und anfänglichen Zweifeln treffen mussten, haben sich als sinnvoll und richtig erwiesen. Darüber dürfen wir sehr dankbar sein. Gott lässt seine Helfer nicht im Stich !

Es ist einfach schön mitzuerleben, wie die beiden Gruppen immer mehr zusammen wachsen. Die Mädchen mit den Senioren zusammen singen, spielen, spazieren gehen, ihnen beim Essen helfen. Einfach beeindruckend die Harmonie zwischen den alten und den jungen Menschen  zu sehen.

Am 28. Oktober wurde der Geburtstag eines 100 jährigen gefeiert (ich habe ihn bei meinem letzten Aufenthalt kennen gelernt, konnte mich mit ihm ein wenig auf Deutsch unterhalten). Neben seinen Angehörigen, waren auch das Fernsehen und die Presse da. Alle sollen sehr beeindruck gewesen sein von dem schönen Heim mit dem christlichen Personal.

Über Geanina hatte ich ja schon ein wenig berichtet. Ihre Mutter wuchs im Kinderheim auf und heiratete, ihren Geaninas jetzigen Vater, der schon eigene Kinder hatte. Er arbeitete in Spanien, kam dann zurück und kaufte ein Haus in Rosia. Er ging dann wieder nach Spanien um dort zu arbeiten und wurde dort in einer Notoperation am Rücken operiert, seitdem ist er arbeitsunfähig. Da er keine rumänische Lohnsteuerkarte hat bekommt er auch keine Rente. Seine Frau, Geaninas Mutter, ist mit einem anderen Mann verschwunden und hat die 5 Kinder allein gelassen.

Bisher wurden die Kinder von uns unterstützt und wir sind nun am überlegen zwei der Kinder, ein 9jähriges Mädchen und ein 12 jährigen Jungen,  in unser Haus aufnehmen und sie von hier zur Schule zu schicken. Hier wären sie auch besser versorgt mit allem was sie benötigen. Wir haben mit dem Vater gesprochen und ihm zugesagt, dass er weiterhin das Kindergeld für sich behalten kann. Wir möchten nur dass die Kinder nicht mehr alleine und hungrig auf der Straße sind. Nun warten wir auf die Zusage vom Vater.

Geanina ist sehr traurig und weint sehr viel. Sie hat sich inzwischen verlobt und möchte im September kommenden Jahres heiraten. Jetzt sind die Eltern ihres Freundes sehr unsicher ob der Hochzeit noch zustimmen sollen. Alle machen ihr Mut und beten viel für sie. Mimi und Cornel haben ihr gesagt, sie soll ihr ganzes Geld sparen und für die Hochzeit und für die Hochzeit sorgen sie.

Alle anderen Mädchen geht es gut, sie besuchen die Schule und die Lehrer sind sehr zufrieden mit ihren Leistungen.

Eine gesegnete und friedvolle Advents- und Weihnachtszeit wünscht von ganzem Herzen, Euer Ehrhart

Zwei kleine besinnliche Weihnachtsgeschichten

Geburtstag und Weihnachten

Er heißt Philip, der blauäugige Junge mit den gekräuselten, blonden Haaren. Der Siebenjährige ist aufgeregt, denn bald ist Weihnachten und zwei Tage vor dem Fest hat er Geburtstag.

In der Woche davor hat Philip einen seltsamen Traum:

Er träumt, wie er Hunderte von Einladungen verschickt. Seine Freunde freuen sich und tuscheln hinter seinem Rücken miteinander. Sie denken sich wunderbare Geschenke für seinen Geburtstag aus. Seine Mutter und seine Schwester fangen schon lange vorher an, Berge von Kuchen zu backen. Das Haus, in dem Philip wohnt, wächst in seinem Traum zu einem Schloss und in jedem Raum stehen abgedeckte Platten voll von köstlichem Gebäck.

Dann, endlich kommt sein Festtag. Philip ist voller Vorfreude! Die Gäste strömen in Scharen herbei. Philip geht in die Empfangshalle seines Traum-Schlosses, um sie zu begrüßen. Aber was ist das? Niemand beachtet ihn. Seine Freunde gehen an ihm vorbei, als wäre er unsichtbar, schütteln sich herzlich die Hände und tauschen wunderschöne Geschenke aus - lauter Sachen, die sich Philip schon so lange Wünscht. Nach und nach schlendern alle in den festlich geschmückten Ballsaal. Philip steht immer noch in der Empfangshalle, um auf die letzten Gäste zu warten. Irgendjemand muss ihn doch entdecken und beglückwünschen.

Aber es kommt niemand mehr. Und dann wird sein Traum zum richtigen Albtraum: Als die Festgesellschaft verschwunden ist, fällt die große Tür zu - und Philip steht draußen. Er klopft an die Tür und ruft: "Lasst mich rein, das ist mein Geburtstag!" Doch niemand hört ihn. Seine Freunde machen einen solchen Lärm, dass sie ihn nicht bemerken. Philip weint verzweifelt und hämmert weiter an die Tür. Umsonst.

"Philip, was ist denn los?" fragt sein Vater behutsam und streichelt über die Stirn seines Sohnes. Davon wacht Philip auf und sieht ihn mit verweinten Augen an. "Du musst ja etwas Fürchterliches geträumt haben. Schon seit zwei Minuten schlägst du wie wild auf deine Bettdecke und rufst: "Lasst mich rein, lasst mich rein!"

Philip laufen immer noch Tränen übers Gesicht. Schluchzend erzählt er von dem Traum. Papa beruhigt ihn:

"So wird es bei deinem Geburtstag bestimmt nicht sein. Wir werden ihn zusammen mit dir feiern. Wir alle. Dein Traum hat nichts mit dir zu tun, eher mit Jesus", fügt er nachdenklich hinzu. "Mit Jesus?" fragt Philip verwundert.

"Ja, denn viele Leute feiern Weihnachten, aber übersehen dabei das Geburtstagskind Jesus ganz und gar. Wie in deinem Traum. Doch wir werden es anders machen. Wir  werden uns darüber freuen, dass er geboren ist. Wir werden Weihnachten als Geburtstags von Jesus gestalten. Wir werden uns Zeit nehmen, ihn mit Liedern zu ehren und die Geschichte seiner Geburt in der Bibel lesen. Wir werden unsere Herzenstüre weit aufmachen, damit er nicht draußen stehen bleiben muss."

Philip ist beruhigt. Jetzt freut er sich auf seinen Geburtstag und auf Weihnachten. Beide Feste werden schön werden. Jesus soll nicht vor verschlossener Tür stehen, sondern an Weihnachten die Hauptperson sein.                                                                          (Cornelia Mack)

Der Engel und das Kind

Als die himmlischen Heerscharen zur Feier der Heiligen Nacht nach Betlehem flogen, hatte sich ein Engel verspätet. Hastig machte er sich auf, um noch rechtzeitig zum Gotteslob zu kommen. Er verlor jedoch die Richtung und landete nicht in Betlehem, sondern einige Ortschaf­ten weiter. Dort waren die Leute gerade dabei, einen Mann mit Stein­würfen zu vertreiben, weil er aussätzig geworden war und weil sie fürchteten, von ihm angesteckt zu werden. Der Engel hörte gerade noch, wie dieser Mensch verzweifelt nach Gott rief. Er sah die Frau und die Kinder weinen, weil sie nicht wussten, wer jetzt für sie sorgen würde und wie sie satt werden sollten.

Als der Engel dem Mann folgen wollte, hörte er neues Geschrei. Er erblickte Soldaten, die ein zehnjähriges Kind mit sich schleppten. Es sollte als Schuldsklave verpfändet werden, weil die Eltern nach zwei Missernten nichts mehr besaßen, um sich und die Familie zu ernähren.

Der Engel, so wird erzählt, wusste nicht, was mit ihm geschah. Aber er vergaß alles, was in ihm war, und fing einfach an zu helfen, zu heilen und zu trösten. Viele umdrängten ihn mit ihrer Not. Der Engel griff zu. Er tat, was er konnte. Vom Helfen wurde er ganz müde und grau im Gesicht.

Spät in der Nacht kam er doch noch nach Betlehem. Die himm­lischen Heerscharen waren verschwunden, der Glanz verblasst. Der Engel selbst war durch die Begegnung mit der menschlichen Not dun­kel geworden. So stand er vor der Krippe. Das Kind lag mit ausgebrei­teten Armen da. ,Wie ein Gekreuzigter', fuhr es dem Engel durch den Sinn. Dann erschrak er und dachte: ,Hat mich denn das, was ich an Leid und Bosheit erfuhr, so durcheinandergebracht, dass ich nur noch finstere Gedanken zu fassen vermag?' Da war ihm, als würde ihn das Kind anreden. „Du hast recht gesehen."

Der Engel erzitterte. Das Kind aber fuhr fort: „Du bist tief in das Geheimnis meiner Geburt eingedrungen. Ich bin gekommen, um die Leiden und die Schmerzen der Welt, um Schuld und Strafe auf mich zu nehmen. Doch das ist nicht alles."

In diesem Augenblick öffnete sich vor dem Engel der Stall von Betlehem. Er sah weit in die Ferne. Dort erhob sich ein Hügel mit drei Kreuzen, und es war sehr dunkel. Dann aber leuchtete ein Licht auf. Das war so hell, dass davon das Dunkel zerfloss. Auch die Kreuze wurden von ihm verschlungen. Der Engel wusste nicht, was ihm geschah, aber ihm wurde leicht ums Herz. Er hatte tatsächlich das Geheimnis der Weihnacht erfahren, dass es vom Geborenwerden in den Tod geht, dass hinter der Krippe das Kreuz steht und dass Gott dennoch stärker ist.

Als er sich ansah, entdeckte er, dass er nicht mehr finster war, son­dern angefangen hatte zu strahlen. So kam es, dass in jener Nacht ein einsamer Engel hell wie ein Stern in den Himmel zurückkehrte und zu sehr später Stunde noch eine Stimme sang: „Ehre sei Gott in der Höhe!"                                                                                                                                                                (Karl-Heinz Ronecker)

 
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