im April 2014

Liebe Freunde,
leider musste die Frühjahrsfahrt ausfallen, da wir mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit unseren 50.Hochzeitstag mit der Familie und Freunden feiern werden. So werden wir wohl erst über Pfingsten fahren.
In letzter Zeit werde ich immer wieder gefragt, ob die Hilfe und Unterstützung mit Kleidung, Medikamen-ten etc. überhaupt noch notwendig ist. Ja, leider ist es so. Zwar hat sich vieles zum Guten verändert in Rumänien, aber benachteiligt sind nach wie vor kinderreiche Familien, Menschen mit Behinderungen, RentnerInnen und generell Menschen, die in Dörfern leben.
Es ist immer wieder so wie auch in der eigenen Familie. Die Sorge und Fürsorge für die Kinder mal mehr, mal weniger bleibt bei den Eltern wohl ein Leben lang bestehen. So ist es auch mit unseren ehemaligen Mädchen, die bei uns im Haus wohnten. Aufgrund ihrer Herkunft sind diese Heimmädchen fast alle hilfs-bedürftig. Beverely kümmert sich besonders um ein Mädchen, seitdem sie bei uns ausgezogen ist. So hat sie bei verschiedenen Familien mit gewohnt. Eigentlich hätte sie genug Geld haben müssen, um sich eine kleine Wohnung zu leisten. Doch sie hat ihre Kontokarte Kolleginnen gegeben, damit die Geld für sie von der Bank holen sollten, weil sie meinte, sie kommt damit nicht zurecht. Nun ist kaum noch Geld auf ihrem Konto. Vorerst wohnt sie bei uns wieder im Haus. Mimi wird versuchen, bei der Bank für sie einen Kredit zu bekommen. Wir bemerken, eigentlich müssten diese Mädchen eine ständige begleitende Hilfe an ihrer Seite haben, aber man kann keinen dazu zwingen.

In den letzten Zeiten gab es verschiedene Artikel in diversen Publikationen mit der gleichen Feststellung. Ich habe darüber nachgedacht und bin erschrocken, wie selbstverständlich ich, wir alle, über diese Probleme, die wir letztendlich mit verursachen, hinweggehen.

Folgend zwei Nachrichten:
Bald keine Ärzte mehr in Bulgarien und Rumänien - weil sie in Deutschland sind

ARMUTSZUWANDERUNG Während die Diakonie und Teile der Politik in Deutschland eine Einwanderung aus aus Bulgarien und Rumänien begrüßen, herrschen vor Ort große Ängste, wichtige Fachkräfte zu verlieren. So schreibt die bulgarische Tageszeitung 24 Chasa (Sofia): „Es gibt kaum noch Ärzte, die nicht ans Auswandern denken." 78% der bulgarischen Ärzte überlegten derzeit, ihr Land zu verlassen. Im 6 Millionen Einwohner zählenden Bulgarien gebe es nur noch 80 Fachärzte für Pathologie. Der Grund: Die Löhne für Mediziner und Krankenschwestern in Deutschland sind bis zu 20-mal höher als in Bulgarien. Aus dem Nachbarland Rumänien emigrierten seit 1990 21.000 Ärzte vor allem nach Mitteleuropa. Manche gehen direkt nach dem Studium. In den letzten 20 Jahren haben insgesamt 3 Millionen Rumänen und eine Million Bulgaren ihre Länder verlassen, um besonders in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu arbeiten und damit ihre Familien in der Heimat unterstützen zu können. Gleichzeitig aber fehlen sie vor Ort. Allein in Rumänien werden - so die Ärztevereinigung CMR - derzeit 28.000 zusätzliche Ärzte gebraucht, um die medizinische Versorgung auf europäisches Niveau zu bringen. Die Diakonie Deutschland äußerte in einer Pressemitteilung, es sei positiv zu werten, dass die Beschränkungen für Bulgaren und Rumänen weg-gefallen seien: „Einwanderer tragen zu Vielfalt und Wohlstand in Deutschland bei. So zahlen sie bei-spielsweise deutlich mehr Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, als sie Sozialleistungen beziehen."
Deutschland profitiere also von einer Zuwanderung - auch aus Bulgarien und Rumänien.

Idea Spektrum 5, 29.01.2014

WENN DER WESTEN LOCKT
Es gibt zu wenige Ärzte in Rumänien Bukarest/Hermannstadt - In der Debatte um den seit Anfang 2014 möglichen freien Zuzug von Bulgaren und Rumänen in alle EU-Länder sind in Deutschland vor allem „Armutsmigranten" in den Blick geraten. Dabei wird übersehen, dass auch viele hochqualifizierte Fachkräfte aus diesen Ländern im Westen tätig sind - und in ihrer Heimat große Lücken zurückgelassen haben. Kirchliche Kreise in Rumänien bedauern diese Abwan-derung. Der Präsident des rumänischen Baptistenbundes und der Europäischen Baptistischen Föderation, Otniel Bunaciu (Bukarest), sagte der GEMEINDE, in den letzten sieben Jahren hätten zwischen 10 und 15 Prozent aller Einwohner das Land verlassen. Die meisten seien nach Italien und Spanien gezogen - vor allem Land- und Bauarbeiter. In der jüngeren Vergangenheit seien auch die besser ausgebildeten Fachkräfte gegangen, darunter auch viele Ärzte: „Für sie ist es relativ leicht, besser bezahlte Stellen zu finden." Vor allem auf dem Land fehlten nun die Ärzte. Der Staat versuche, die Ärzte zu halten - doch die meisten Versuche seien fehlgeschlagen, weil einfach das Geld fehle. Inzwischen gebe es auch kaum noch gute IT-Spezialisten im Land, so Bunaciu. Noch heute ist das Lohnniveau im Westen etwa 20 Mal höher.

Nach Berechnungen rumänischer Gewerkschaften haben seit dem Ende des Kommunismus 1989 etwa 30.000 Ärzte und 20.000 Krankenschwestern das Land verlassen. Die rumänische Ärztevereinigung CMR hat berechnet, dass 28.000 Ärzte fehlen, um das Gesundheitssystem Rumänien: auf europäischen Standard zu bringen. Insgesamt haben Schätzungen zufolge bisher etwa drei Millionen Rumänen das Land in Richtung Europa verlassen. Diese Arbeitsmigranten unterstützen ihre Heimat, indem sie etwa 2013 drei Milliarden Euro nach Hause überwiesen haben. Rumänien hat 21,3 Millionen Einwohner. In Deutschland leben derzeit 360.000 Rumänen und Bulgaren. Die meisten zahlen in die Renten- und So-zialkassen ein und erhalten keine Sozialleistungen, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit.

Zeitschrift:"Die Gemeinde" 2 04/2014

Mit herzlichen Grüßen, Euer 

 

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