Im Juni 2014
Liebe Freunde,
inzwischen fehlen nur noch einige wenige Abschnitte der neuen Autobahn, und man wird im nächsten Jahr weit entspannter nach Sibiu kommen. Andererseits ist es viel interessanter, auf Landstraßen durch die vielen Orte zu fahren.
Gemeinsam mit Yvonne und Andreas (beide hatten in den vergangenen Jahren Kinderfreizeiten in unse-rer Ferienanlage durchgeführt) hatten wir eine ruhige und doch spannende Zeit miteinander.

Wir dürfen immer wieder dankbar sein für unsere Mädchen im Haus. Sie lernen intensiv, wollen vorwärts kommen. Sie wissen, nur mit sehr guten Zeugnissen kann ich kostenlos studieren oder bekomme einen Ausbildungsplatz. Maria, Anna und Andrea wohnen für das letzte Schuljahr im z.Zt. leer stehenden Haus in Sibiu (unsere erste kleinen Diakoniestation). Denn zwischen den Unterrichtseinheiten oder Schulprojekten sind oft Leerstunden, bei denen es sich nicht lohnt, mit dem Bus hin und her zu fahren. Dass Andrea im Haus wohnt beruht auf einem Wunder. Sie besuchte regelmäßig die Gemeinde in Rosia und wollte gern auf das christliche Gymnasium in Sibiu gehen. Ihre Eltern waren dagegen. Ihr Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker. Letzten Sommer ließen sich ihre Eltern und andere nicht-christliche Dorfbewohner zu einem Wochenende in unserer Ferienanlage einladen. Hier hörte Gigu, der Vater von Andrea, den Bericht eines Mannes, der sein verpfuschtes Leben durch Jesus Christus radikal geändert hat. Einige Tage später betet er in einer Ecke seines Hinterhofes: "Wenn du das Leben dieses Mannes verändern konntest, dann glaube ich, dass du auch meines verändern kannst."So kam er regelmäßig mit seiner Frau in die Gottesdienste und beide sind fröhliche Jesu Nachfolger geworden. So haben die Eltern auch nun Andrea erlaubt, in die christliche Schule zu gehen und bei uns im Haus zu wohnen. Jetzt arbeitet Gigu bei uns vorwiegend im Garten. Auch Aurel, der Schwager von Mimi, arbeitet vermehrt bei uns. Trotzdem ist Nicu nicht zu ersetzen.Und wir beten um einen Nachfolger, der nicht nur seine Arbeitskraft einsetzt, sondern auch sein Herz für die Mädchen und Senioren einsetzt.Diese drei ( u.) wohnen gemeinsam in Sibiu in einer gesponserten Wohnung aus den gleichen Gründen, wie oben.Daniela wird nach Abschluss der 12. Klasse für ein Jahr als Kindermädchen nach Deutschland gehen.


Rebecca und Alina wollen gerne im Haus bleiben und dort mitarbeiten.
Cornel hatte die Idee, in der Schule in Rosia Religionsunterricht zu geben. Die Schulleitung ließ daraufhin unter den Eltern abstimmen, ob orthodoxer oder evangelischer Unterricht gewünscht wird. Nur 5 Eltern wollten den orthodoxen. Daraufhin sagte der Priester zu Cornel, für mich lohnt sich das nicht, übernimm du man alle. Da dies vom Staat als Halbtagsstelle bezahlt wird, überlässt Cornel dies einem befreundetem Pastor aus der Nachbarschaft, der diese Einnahme sehr nötig hat.

Eine gute Gewohnheit ist es am Sonntag in Rosia am Gottesdienst teilzunehmen bzw. mitzuwirken.Immer wieder bin ich freudig erstaunt über die vielen Kinder in der Gemeinde. Sie sind in verschiedene Altersgruppen eingeteilt. Ganz neu ist eine Musikgruppe.

Ein unbekannter Spender hat die diversen Blasinstrumente, wie Trompete, Klarinetten, Saxophon, der Gemeinde geschenkt. Daraus ist eine schon nach wenigen Monaten tolleBand geworden.

Yvonne und Andreas hatten schon seit längerem telefonischen Kontakt mit dem Leiter des Kinderheimes "Kindernest" in Rotbav bei Brasov (ca.130 Km südl. von Sibiu). Gemeinsam sind wir dort hingefahren um uns persönlich kennen zu lernen. Im Gespräch mit dem Leiter, Robert Mahnke, stellte ich fest, dass ich mich an vielen Stellen seiner Arbeit wiedergefunden habe. Beeindruckt hat mich seine totale Konsequenz, das alte Leben zu beenden und ein neues in Rumänien zu beginnen. Folgend einige Auszüge seiner Erzählung: :

WIE ALLES BEGANN
Sommer 2000: Eigentlich wollten wir für einige Wochen nach Italien in den Urlaub. Aber es kam ganz anders: Unser Haus dort war besetzt. Die Leute, die eigentlich mit wollten, hatten plötzlich keine Zeit oder kein Geld. Freunde erzählten mir von Rumänien und den schlimmen Verhältnissen dort, wie die Kinder oft leiden müssen. Es gibt einfach zu wenig Menschen, die sich für das Schicksal dieser Kleinen interessieren.Da war für mich klar, dass ich diese Wochen nicht für irgendeinen Erholungsurlaub verwende, sondern mich persönlich von der Situation in Rumänien überzeugen soll. Seit nunmehr über 13 Jahren helfen wir in Rumänien, um Kindern Spielzeug, Kleidung, Bildung, Essen zu geben sowie dem ganzen Gebiet das Licht und die Liebe von Jesus Christus zu bringen. Diese Liebe, gibt ihnen Hoffnung und das Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Dinge, welche die meisten von ihnen noch nie erfahren haben.

Zu Beginn sind wir durch die Dörfer, in Kindergärten und Schulen gegangen und konnten viele Kinder, wenigstens für eine gewisse Zeit, manchmal sogar nur für einen Augenblick, sehr glücklich machen. Wir haben für die Menschen gebetet, ihnen Nahrung und Kleidung gegeben und mit den Kleinen gespielt, getobt und christliche Kinderlieder gesungen. Wir haben unsere Arbeit auf das Dorf konzentriert, wo wir gleich am Anfang waren: Rotbav - zu deutsch "Rotbach". Die Leiterin des örtlichen Kindergartens ist uns inzwischen eine gute Freundin geworden. Sie sagt immer: "Das, was ihr jetzt in den jungen Jahren für diese Kinder tut, werden sie nie vergessen und es wird ihr gesamtes Leben prägen!" Schon als wir das erste Mal dort waren, kamen die Kinder auf uns zu gelaufen, umarmten und drückten uns. Sie hatten alte, zerrissene, dreckige Sachen an, sahen uns an mit ihren großen Kulleraugen und freuten sich über die mitgebrachten Kleinigkeiten. In diesem Moment weiß man nicht, was man sagen soll. Einem schießt nur die Gleichgültigkeit, der Überfluss, der Überwohlstand unseres Landes durch den Kopf. Ein Kind wurde überfahren und konnte nur durch unser Spendengeld beerdigt werden. Wo wäre es wohl sonst hingekommen?

Durch die eigenen Kinder oder Enkel kennt man dieses Gefühl. Wie sehr sich die Kleinen freuen, wenn man sie besucht oder die leuchtenden Augen, wenn sie Weihnachten den Baum sehen und ihre Päck-chen auspacken. Sie spüren diesen Frieden, diese Geborgenheit. Wie sehr wohl werden sich Kinder freuen, die diese Wärme und Geborgenheit nicht kennen!? Kinder, die nichts haben, krank sind, teilweise abhängig von Drogen und Alkohol, geschlagen, missbraucht oder einfach nur vernachlässigt oder nicht geliebt werden. Kinder, die dieses wunderbare Gefühl von Liebe und Geborgenheit noch nie gespürt haben!?

Wir haben Weihnachten mit den Kindern gefeiert, wie sie es noch nie erlebt hatten. Es gab alles, was zu einem perfekten Weihnachtsfest dazugehört: Einen schönen, buntgeschmückten Tannenbaum, weihnachtlich dekorierte Tische mit Pfefferkuchen, Schokolade und Kakao, vielen Kerzen, einer Pyramide und natürlich vielen Geschenken. Die Kleinen haben sich so sehr gefreut, dass ihnen teilweise die Tränen in den Augen standen. Uns übrigens auch. Und wir haben ihnen von Weihnachten erzählt und was es tatsächlich bedeutet, dass damals Jesus, der Sohn Gottes, geboren wurde. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so etwas Herzergreifenderes gesehen!

Die Kinder freuen sich so sehr, wenn sie hören, dass wir kommen wollen. Klar, weil wir immer jede Men-ge Spielzeug, Kleidung und Essen mitbringen. Aber auch, weil wir ihnen wieder Hoffnung, Liebe und das Gefühl von Wärme und Geborgenheit geben. Dinge, welche die Meisten von ihnen zu Hause nur wenig bekommen, oder vielleicht sogar noch nie erfahren haben. Wir werfen nicht einfach nur die Sachen ab und verschwinden wieder. Sondern nehmen uns einfach Zeit für sie und geben ihnen damit die Sicherheit, dass sie etwas wert sind. Wir haben den Kindergarten nach diversen Reparaturarbeiten an Dach, Fenstern und Fußboden mit Teppichen und teilweise neuen Möbeln ausgestattet. Wir haben einen Raum, der bis dato nur als Gerümpel-kammer genutzt wurde, komplett zum Sport- und Spielzimmer ausgebaut. Arbeits- und Lernmaterialien wurden gekauft. Vor dem Kindergarten entstand ein neuer, kindgerechter Spielplatz. Inzwischen ist der Kindergarten weit über die Grenzen des Dorfes bekannt und die Kinder kommen auch von weiter her - selbst aus der großen Stadt Brasov. Er ist auch seit damals deutlich gewachsen. Es gibt jetzt schon drei Mitarbeiterinnen, von denen wir eine zeitweise komplett selbst finanziert haben, und die Zahl der Kinder ist bereits von 18 auf fast 50 gestiegen.

Aber auch hier merkte man schnell, dass es nicht unbedingt auf das Drumherum ankam. Das, was die Kinder am meisten begeisterte, war die Zeit, die wir für sie opferten und die Liebe, die wir ihnen entge-genbrachten. Das, was wir ihnen von Jesus erzählten und die Hoffnung, die wir durch sein Licht in ihr kleines Leben bringen konnten.

Spätestens hier wussten wir, dass das nicht alles gewesen sein kann und dass wir noch weiter gehen müssen, um dauerhaft für diese Kinder etwas zu tun ...
Um dauerhaft helfen zu können, reichen halt einmalige bzw. punktuelle Aktionen über das Jahr nicht aus. Darum gingen wir noch weiter und haben unser herzliches und liebevolles Kindernest-Zentrum aufgebaut, mit Kinderheim, Kindergarten, Kinderklub und Jugendklub, christlichen Wohngruppen sowie einer lebendigen Gemeinde mit Kleiderkammer und Suppenküchenarbeit. Vieles konnten wir bereits umsetzen und sind weiter am Ausbauen, um alles auf knapp 10.000 qm zu realisieren. Diese armen Kinder träumen von einer besseren Welt. Wir wollen ihnen ihren Traum erfüllen.

Wir hingegen hatten unser Haus mit sehr preiswerten Einrichtungen ausgestattet, um auch so wenig wie möglich Schulden zu machen. Heute rächt sich diese Sparsamkeit, da jetzt doch an vielen Stellen erneuert oder repariert werden muss. Trotz allem sind wir sehr froh und dankbar, dass die Senioren und Mädchen sich sehr wohl fühlen in unserem Haus.

Mit herzlichen Grüßen, Euer Ehrhart Weider       

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