Im November 2014

Ihr Lieben,

wieder geht ein Jahr zur Neige, und dankbar dürfen wir darauf zurück blicken. Wir können uns freuen, das die Betreuung "unserer" Mädchen ohne nenenswerte Probleme klappt. Sie alle lernen fleißig und haben begriffen, dass ein guter Schulabschluss ein sogenannter "Türöffner" ist für Beruf und Studium.

Es fällt unserer Leiterin Mimi immer sehr schwer, bei berechtigten Anfragen und Bitten um einen Platz im Haus, nein zu sagen. So wurden drei weitere Mädchen aufgenommen. Zum einen ist es die Schwester von Estera. Da Tabita noch nicht volljährig ist, mussten viele Unterlagen /Genehmigungen beschafft werden (Rumänien ist mindestens so "gut" wie die deutsche Bürokratie), damit auch sie auf das baptistische Lyzeum gehen und von uns versorgt und betreut werden kann. Ein weiteres Mädchen ist Estera S. Sie gehört zu der 16 köpfigen Familie, von der wir schon vier Mädchen betreuen. Die dritte Neue ist Manuela D., welche eine Freundin der 5 Geschwister ist. Sie kommt aus Moldova. Sie ist ein sehr zurück gezogenes und unsicheres Mädchen. Es wird noch einige Zeit benötigen, um sich mit ihr über ihre Umstände zu unterhalten. Sie soll sich einfach erst einmal einleben.Im Gespräch ist, noch ein weiteres Mädchen aufzunehmen. Ihr Vater ist gestorben, und ihre Mutter hat nicht die Mittel und Möglichkeiten, sie weiter zur Schule zu schicken. Wir wollen mal sehen, ob wir Möglichkeiten schaffen können, sie aufzunehmen.
Wie schon im letzten Rundbrief geschrieben, wohnen die meisten Mädchen zur Zeit in Sibiu in unserer ehemaligen Übergangslösung, bzw. Diakoniestation wegen eben der unterschiedlichen Schulstunden.

Alina wollte unbedingt in Selimbar bleiben, um weiterhin die Schweine und das Federvieh zu versorgen. Außerdem macht sie ein Praktikum im Krankenhaus. Sie möchte gerne Krankenschwester werden. So hat sie schon manches bei der Betreuung der Senioren gelernt. Unsere Ärztin wird ihr auch eine Bescheinigung ausstellen. Dies wird ihr helfen bei späterer Jobsuche, da sie Interesse gezeigt und auch Erfahrung außerhalb des Krankenhauses hat.

Für den kommenden Winter ist alles gut vorbereitet. 1000 Kg Auberginen, 50 Kg Zacusca (ein Mus als Brotaufstrich aus Paprika, Auberginen und Tomaten, 1000 Kg Pflaumenmarmelade, verschiedene Kompotts und viel eingelegtes Gemüse. Puten geschlachtet (Stück ca. 30Kg), Schweine und Hühner sind geschlachtet. Alles dann in die Kühltruhen getan worden. Leider war die Kartoffelernte nicht so gut, nur 1200 Kg. So muss doch einiges dazu gekauft werden, denn Kartoffeln sind fast ein Hauptessen.
Auch in diesem Jahr haben wir auch wieder Erwachsenen-Freizeiten in unserem Feriengelände durchgeführt. Wenn alles klappt werden wir im kommenden Jahr mit den Kindern aus dem Waisenhaus inOrlat Freizeiten durchführen. Die Direktorin des Heimes freut sich sehr darüber, dass wir das ermöglichen wollen.Viele liebe Grüße von den Mädchen. Sie sind sehr dankbar, dass wir ihnen helfen. Ebenso ganz liebe Grüße von der Hausmutter Lenuta.
Mit herzlichen Grüßen und eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht,
Euer Ehrhart

Folgend wieder eine kleine wahre Weihnachtsbegebenheit, die uns vielleicht ein wenig zum Nachdenken anregt:

Ein Kind bringt es fertig
Wer hat nicht schon Tränen gespürt, wenn das Enkelkind in aller Unbekümmertheit Wahres feststellt?
Der Pfarrer lässt seinen Blick noch einmal über die Gemeinde schweifen. Tatsächlich, das ist er: Ernst Herbst. Der unbelehrbare Gotteslästerer und verbissene Atheist besucht den Gottesdienst. Zum ersten Mal seit zehn Jahren.
Der Adventsgesang „Mit Ernst, o Menschenkinder" ist verklungen. Der Pfarrer steht auf der Kanzel. Von hier kann er noch besser die Reihen der Kirchen-besucher übersehen. Nun ist er ganz sicher, dass der Mann, der geduckt im Schatten eines Pfeilers sitzt, kein anderer ist als der, der ihm das Leben in dieser Gemeinde auf Schritt und Tritt zu er-schweren sucht. Was führt ihn hierher? Und was hat er da vor sich? Es sieht aus wie eine Zeitung. Liest der Kerl die etwa im Gottesdienst? Zuzutrauen wäre es ihm. Der Pfarrer lässt ihn nicht aus den Augen. Die Predigt müsste dem Mann hinter dem Pfeiler unerträglich im Gewissen brennen, wenn er noch eins besitzt. Doch sein Gesicht ist nicht zu erkennen. Regungslos sitzt er und starrt auf sein Papier.
In der Sakristei erwartet Küster Schröder ungeduldig den Pfarren „Es geschehen noch Wunder! Heute ist eins geschehen: Der Herbst, der Sie, Herr Pfarrer, dauernd ärgert ... Nein, es ist nicht zu fassen ...!"
Natürlich war auch dem Küster aufgefallen, dass der unerwartete Kirchgänger eine Zeitung vor sich hatte. Und wer Küster Schröder kennt, wird wissen, dass er so etwas nicht duldet.
„Hereingelassen wird hier jeder, auch der größte Sünder", sagte er. „Das halten wir wie Jesus. Aber zu benehmen hat er sich so, wie sich das in einem Gotteshaus gehört. Dafür sorge ich." 

Deshalb war er gleich während des ersten Gesangs auf Ernst Herbst zugegangen, um ihm zu sagen: „Steck bitte die Zeitung weg ..." Aber da sah er, dass der Mann gebrochen auf seinem Platz hockte und schluchzte. „Um zu schnüffeln, ist er also nicht gekommen. Das steht fest", berichtete er dem Pfarrer.

„Dieses Kind hat es fertiggebracht." Ernst Herbst zeigte auf das Bild seiner Enkelin, als der Pfarrer ihn am Montagabend besuchte. „Nie werden Sie mich wieder in eine Kirche kriegen, hatte ich mir geschworen. Nie! Aber dieses Kind hat es fertiggebracht."
Er entfaltete die Zeitung, die er mit in der Kirche hatte, ein illustriertes Wochenblatt. Da ist sein kleiner Liebling abgebildet. In einer Umfrage „Was Kinder sich vom Christkind wünschen" hat die Fünfjährige dem Reporter geantwortet: „Einen anderen Großvater. Einen, der auch einmal mit mir in die Kirche geht. Meiner ist so stur. Der tut das nie, und ich habe ihn schon so sehr darum gebeten."
„Aber sie hatten die Kleine doch gar nicht mit", bemerkte der Pfarrer. „Noch nicht", erwiderte Ernst Herbst. „Das war für mich sozusa¬gen erst die Hauptprobe, damit ich mich nicht vor dem Kind blamiere.
„Sie wussten, dass es Sie hart ankommen würde, nicht wahr? Und wollten das dem Kind nicht zeigen. Ich verstehe das." Verlegen sieht der bisherige „Gottesleugner" den Pfarrer an. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein Kind solche Macht hat."
„Ja, dass ein Kind solche Macht hat, unseren Sinn zu ändern, das wollen wir immer nicht glauben", wiederholt der Pfarrer sehr nachdenklich, und Ernst Herbst merkt, dass er das Kind in der Krippe meint.
                                                                                                                                                                                                                                                                     Rodolf Hempel

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