Was immer du hast, gebrauche es für Gott              

und warte nicht auf das, was du nicht hast.  C.T.Studd

 

im April 2015

Liebe Freunde und Mitstreiter,

es war für mich eine sehr große Freude, dass die Krankheit meines Freundes Johannes es zuließ, endlich nach 10 Jahren wieder nach Rumänien fahren zu können. Mit dem Schwiegersohn Thomas waren wir ein so harmonisches Team, dass uns die Fahrt und der Aufenthalt wie im Fluge verging.

 Noch immer fehlt uns ein Hausmeister für unser Haus "Hoffnung". Alle bisherige Probearbeiten verschiedener Bewerber entsprechen nicht den Erfordernissen. Hier ist nicht nur handwerkliches Geschick gefordert, sondern auch Herzenswärme für die Mädchen und auch Senioren.

Inzwischen leben 65 Senioren im Haus, die vom 20 köpfigen Personal (u.a. 2 Ärztinnen, Krankenschwestern, Betreuer, Köchin und Reinigungskräfte) versorgt werden. Da der größte Teil der Mädchen vorübergehend in Sibiu lebt, sind die freien Zimmer mit Kurzzeitpflegepersonen belegt.

Nun gebe ich gerne den weiteren Bericht an Johannes ab und werde mich zum Ende noch einmal melden.

Begutachten der Medikamente und

med. Geräte durch die Ärztin

Während Ehrhart in den letzten 25 Jahren nun mehr als 50 mal nach Rumänien gefahren ist, trat ich diesmal meine siebte  Reise nach Sibiu an. Gemeinsam noch mit Thomas brachen wir am Mittwoch nach Ostern auf. Eigentlich sollte es schon einen Tag vorher losgehen, aber ein Motorschaden an Ehrharts Wagen erforderte noch einen Werkstattaufenthalt.

Neben etlichen Hilfsgütern hatten wir auch ein ausrangiertes Ultraschallgerät fürs Krankenhaus und einige Rollstühle mit im Anhänger.

Von den vielen Berichten über einen positiven Wandel in Rumänien seit dem Eintritt in die EU waren wir gespannt, wie sich dies auf Land und Leute ausgewirkt hatte. Und wahrhaftig, allein die Teilabschnitte der ausgebauten Autobahn zeugten eindeutig vom Fortschritt. Doch mitten in der Nacht kam dann die Ernüchterung. Straßensperre und Umleitung über einen holperigen und kaum befahrbaren Weg, bei dem wir mit unserem schweren Hänger wegen der tiefen Schlaglöcher nur Mühe hatten voran zu kommen.So erlebten wir schon bei der Hinfahrt das Land in seiner derzeitigen Situation. Auf der einen Seite ein nicht übersehbarer Fortschritt und auf der anderen Seite ein gewisser Stillstand. So zeigte sich auch die große Stadt Sibiu am kommenden Tag, nach 26 Stunden Autofahrt, bei strahlendem Sonnenschein in einem neuen Licht. Die aufwendig renovierte Innenstadt und die riesigen Einkaufszentren am Stadtrand ließen kaum Wünsche offen, doch schon wenige Kilometer landeinwärts wehte immer noch der Müll über die weite Landschaft und die Dörfer mit ihrer ärmlichen Bevölkerung sahen aus wie eh und je.

 
z.Zt.leerstehendes Haus für die Schulmädchen

Auch in unserem Haus in Selimbar hatte es positive Veränderungen gegeben. Seitdem unsere Arbeit dort nun auch die Tür für die älteren Menschen der Stadt geöffnet hatte, nimmt dieser Bereich immer mehr Raum ein. Um die vielen Zimmer des großen Hauses optimal auszulasten, ist nun auch eine Tagespflegestation eingerichtet worden.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns daran, die mitgebrachten Hilfsgüter auszuladen. Besonders die Rollstühle wurden sehnsüchtig erwartet und die Medikamente unter fachkundiger Aufsicht der Ärztin ins  Lagerverstaut.

"Rollstühle im Einsatz"

Die darauffolgende Zeit war nun geprägt von vielen Gesprächen, Besuchen und Eindrücken, die sich in der Kürze nur schwerlich wiedergeben lassen. Zwei solcher Momente sollen einen Einblick vermitteln:

Am Samstag hatten wir unseren Wagen vollgepackt mit sortierter Kleidung aus unserem Lager und Nahrungsmitteln, die wir in dem großen Einkaufszentrum Sibius kauften, und uns auf den Weg nach Rosia gemacht, einer kleinen Stadt ganz in der Nähe.

Hier trafen wir eine Gemeindeschwester, die uns zu einigen Familien führte, welche die Hilfe dringend nötig hatten.

Schnell waren die Straßen nur noch schwer befahrbare Wege geworden und Pferdefuhrwerke bestimmten das Ortsbild. Was jedoch an jenem sonnigen Tag einen geradezu nostalgischen Flair hatte, ließ das Ausmaß an Chaos bei Regen oder Schnee nur schwer vorstellen.


Einkaufscenter Sibiu vollbepackt mit Lebensmittel und Bekleidung

Die Häuser wurden immer kleiner. Oft waren es nur notdürftig zusammengezimmerte Hütten.

Unser Wagen wirkte zunehmend wie ein Fremdkörper in dieser Gegend – und wir selbst fühlten uns nicht anders. Das verstärkte sich noch mehr, als wir dann in einigen dieser kleinen Häuser zu Gast waren, um die Hilfsgüter zu übergeben. Häuser, bestehend aus nur einem oder zwei notdürftig eingerichteten Räumen, in denen ganze Familien, oftmals mit mehr als 15 Personen, ihr tägliches Auskommen haben mussten. Schicksale, geprägt von Krankheit und Arbeitslosigkeit, voller Resignation, Perspektivlosigkeit und auch Scham.

In dieser kleinen Hütte ca.9 m2 groß, lebt diese 17 jährige Mutter

Oder alleinerziehende Mütter, die selbst noch Kinder waren, die in Verhältnissen lebten, wo keiner von uns auch nur eine Nacht verbringen wollte. Und draußen, da schien die Sonne und der Himmel war blau – und man setzte sich wieder in den Wagen und fuhr zurück in eine andere Welt. Das ist nur schwer zu ertragen und lässt keinen Menschen, der auch nur ein wenig sein Herz am rechten Fleck hat, unberührt. Und deshalb wollen wir genau diese Arbeit auch wieder mit den Spendengeldern ausbauen.

Eine andere Begebenheit berührte mich weniger aus der materiellen Sicht. Hier beeindruckte mich die geistliche Einstellung der Menschen in jenem Ort.

Am Sonntag wurden wir gebeten, die Osterpredigt zu halten. Das war für uns eine Ehre und auch etwas feierlich, da wir ja in Deutschland bereits eine Woche zuvor Ostern gefeiert hatten. Nachdem Ehrhart im ersten Teil der Predigt von Daniel, einem Schweizer Missionar, übersetzt wurde, bekam ich für meinen Teil eine junge Dame mit Namen Anna zur Seite gestellt.

Transport- und Fortbewegungsmittel auf dem Land

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass auch sie eines der Mädchen war, die eine Zeitlang in unserem Haus gewohnt hatte, dann für eine kurze Zeit über Daniels Kontakte in der Schweiz war und dort deutsch lernte. Die schlichte Botschaft der Predigt über die Liebe Gottes zu uns, auch in schwierigen Lebenssituationen, berührte an diesem Vormittag während des Übersetzens ihr Herz so sehr, dass sie plötzlich in Tränen ausbrach, was wiederum dazu führte, dass die gesamte Gemeinde sehr bewegt war. In diesem Augenblick wurde mir, wie selten zuvor, klar, dass gerade für die Menschen, die in Not sind, die nicht mehr wissen, wie ihr Leben weitergehen soll, die einsam sind, bedrückt, arm und krank, die Osterbotschaft, die Botschaft von der Liebe Gottes und der Auferstehung des Heilandes Jesus Christus, von so viel größerer Bedeutung ist, als sie vielleicht für viele von uns ist, die wir ein geregeltes Leben führen. Jedenfalls war der nachfolgende Gesang, von dem ich zwar kein Wort verstand, für mich persönlich so ergreifend, als wenn er nicht von dieser Welt käme.

Nun komme ich nicht umhin, meinen kurzen Reisebericht mit den bewegenden Worten zu schließen, mit denen uns der Gemeindeleiter an jenem Gottesdienst begrüßte:

„Viele sind gekommen und wieder gegangen. Ehrhart ist uns treu geblieben!“

So ist aus dem einzelnen Hilfsgutpaket vor vielen, vielen Jahren nicht nur ein großes Hilfsprojekt, sondern auch eine tiefe Freundschaft und Verbunden-heit gewachsen.

(Johannes Koslowski)

 
Johannes singt "zweite" Osterfeier in der Gemeinde Rosia

Sorge machen uns einige Eltern, deren Mädchen demnächst sehr erfolgreich die Schule beenden werden. Sie wären fähig, weiterführende Schulen zu besuchen oder ein Studium zu beginnen. Doch die Eltern sehen nicht ein, dass auch für Mädchen gute Bildung und Ausbildung heute nötig ist. Sie wollen, dass ihre Kinder zurück ins Dorf kommen und heiraten sollen -" wozu eine Ausbildung" -  Wir hoffen, dass in weiteren Gesprächen mit den Eltern noch ein Umdenken erreicht werden kann.

Euch allen herzliche Grüße und Gottes reichen Segen,

sendet und wünschen Johannes und Ehrhart

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